Nach einer aktuellen Studie der DAK sind heute bereits 2,6 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen in Deutschland abhängig von WhatsApp, Instagram und Co.
Nahezu alle Teenager nutzen täglich im Durchschnitt drei Stunden die verschiedenen Social Media Angebote. „Nur“ 2,6 % klingt zunächst einmal nach nicht viel, aber so einfach ist es sicher nicht.
Im Gegenteil. Umgerechnet bedeutet das zunächst einmal, dass heute schon bereits mehr als 100.000 Jugendliche alle Kriterien einer echten Suchterkrankung aufzeigen und das ist mehr als nur alarmierend.
Aber es geht um viel mehr, als die Studie besagt, denn nahezu alle Jugendlichen sind mit ihren Gedanken praktisch ständig bei ihrem Smartphone, aktiv oder passiv. Die Angst, etwas zu verpassen, gehört zu den Kennzeichen einer pathologischen Nutzung, so wie auch auftretende Entzugserscheinungen, die sich dann sogar zu einer gesteigerten Form einer inneren Unruhe, einer ständig steigenden Gereiztheit und Aggressionen und sogar einer tiefgreifenden Traurigkeit äußern können. Viele schlafen schlecht, daddeln noch bis spät in die Nacht und sind dann in der Schule oder in der Ausbildung unkonzentriert. Auch hier wird dann den ganzen Tag versucht, auf das Smartphone zu sehen. Dem Erfindungsreichtum sind hierbei keiner Grenzten mehr gesetzt. Zudem verlieren die Betroffenen schließlich nicht selten sogar vollständig die Kontrolle, bis sie schließlich den Punkt erreichen, an dem sie dann gar nicht mehr selbst und ohne Hilfe Dritter aufhören können.
Laut der Ergebnisse der Umfrage meist sogar dann nicht, wenn sie wissen, dass dieses Verhalten bereits zu Problemen mit den Eltern führt oder die Schule oder Ausbildung darunter leidet. Die Zahl der Jugendlichen, die zudem nicht nur als letztes Handeln vor dem Schlafen und als erstes nach dem Aufwachen auf das Smartphone sehen, sondern sogar ein bis zwei Mal die Nacht aufwachen, um auf das Smartphone zu schauen und an diesem aktiv zu werden, nimmt ständig zu.
Ernst zu nehmen ist außerdem der Hinweis in der Studie, dass ein Zusammenhang zwischen Depressionen und der Sucht festgestellt werden konnte, wobei es jedoch nicht sicher erscheint, ob depressive Kinder eher die Flucht in die virtuelle Welt antreten oder ob es umgekehrt der Fall ist. In beiden Varianten sind die Auswirkungen bedenklich.
Und eine Sache lässt die Studie meines Erachtens nach ganz außer Acht:
Diese doch sehr besondere Sucht kann durch ihre ständige Interaktion mit einer Vielzahl anderer Personen zu einer unvorstellbaren Verbreitung führen, denn:
Die 100.000 Jugendlichen, die heute bereits als süchtig gelten, kommunizieren schließlich mit einer hohen Anzahl von noch nicht als erkrankt geltenden anderen Jugendlichen, zum Teile mehreren hundert gleichzeitig. Eine Verbreitung und ein rasanter Anstieg sind daher wohl nahezu zwingend zu erwarten, denn:
Führt z.B. das exzessive Kommunikationsverhalten eines einzigen solchen süchtigen Jugendlichen dazu, dass er z.B. alle 6 Monate durch sein Nutzungsverhalten nur einen weiteren aus seinem Freundes- /Adressatenkreis ebenfalls in die Sucht „führt“ (und alles andere erscheint aktuell schon fast nicht mehr sehr lebensnah) sprechen wir in 2 Jahren schon von 1,6 Mio und in 3 Jahren von über 6 Mio. Social Media süchtigen Jugendlichen allein in Deutschland.
Und seien wir ehrlich: Wer kennt nicht auch in den Altersgruppen darüber zahlreiche Menschen, die bereits heute ebenfalls alle Kriterien einer solchen Sucht aufzeigen?
Sind das zu hohe Schätzungen? Es bleibt zu hoffen, denn spätestens, wenn die absolut sicher steigende Zahl der Jugendlichen in das Berufsleben wechseln, betrifft es praktisch jedes Unternehmen unmittelbar.

Quellen:
https://www.dak.de/dak/gesundheit/social-media-sucht-1968334.html
https://www.dak.de/dak/download/dak-studie-social-media-nutzung-1968596.pdf